Ab heute heiße ich Margo – Cora Stephan

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„Da war kein Platz für Träume von der Zukunft, von ihrem Beruf, vom Auto, auf das sie gespart hatte.“

Für Margo Hegewald ist die Welt im Jahre 1936 noch voller Träume. Sie weiß genau, was sie will und lässt sich von niemanden etwas einreden. Die junge Frau ist fleißig und tut alles, um später einmal unabhängig zu sein. Sie darf eine Lehre in einem Fotogeschäft machen und Geld verdienen, was für Frauen damals eher untypisch war. Sogar ein eigenes Auto will sie später einmal besitzen. Bei ihrer Arbeitsstelle Photo Werner lernt Margo dann die Fotografin Helene Pinkus kennen, eine talentierte, jedoch verschlossene junge Frau. Eine Freundschaft entsteht. Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändern sich die Dinge schlagartig und die Träume beider Frauen lösen sich in Luft auf.

Margo und Helene erleiden unterschiedliche Schicksale, die doch immer miteinander verknüpft sind und sie am Ende wieder zusammenbringen. Sie erleben den Aufstieg der Nationalsozialisten, Krieg und Verfolgung, die Teilung Deutschlands, das Wirtschaftswunder und den Kalten Krieg. Und trotz der höchst unterschiedlichen Leben bleiben sie in ihrem Schicksal miteinander verbunden, ihre Wege kreuzen sich immer wieder.

Cora Stephan führt mit Ab heute heiße ich Margo ihre Leser durch Deutschland im 20. Jahrhundert. Aus verschiedenen Perspektiven, zumeist jedoch aus denen von Margot und Helene, beschreibt sie die Lebensumstände, Denkweisen und eine Vielzahl von Schicksalen. Besonders interessant ist die Entwicklung, die in beiden Frauen vorgeht. Der Krieg zieht nicht spurlos an ihnen vorüber, beide verhärten innerlich. Dennoch sind sie menschlich, machen Fehler, deren Konsequenzen sie in Kauf nehmen. Gerade deswegen konnte ich alle Charaktere ins Herz schließen und fieberte bei all ihren Handlungen mit ihnen.

Die Erzählung umfasst die Zeitspanne von 1936 bis 2000. Der Roman fällt mit über 600 Seiten recht umfangreich aus, der Leser erhält jedoch Hilfe durch die Einteilung in drei große Hauptteile, welche wiederum in kleinere Abschnitte untergliedert sind. Vor allem liest sich der Roman ganz von allein. Denn Cora Stephan schildert das Schicksal der beiden Protagonistinnen durchgehend interessant und fesselnd. Besonders ab dem zweiten Hauptteil mochte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Wer eine Liebesgeschichte einer jungen naiven Frau mit vorhersehbarem Ende erwartet, so wie ich es mit Beginn der Lektüre tat, liegt mit Ab heute heiße ich Margo glücklicherweise falsch. Der Roman bietet weit mehr und wirkte eine regelrechte Sogwirkung auf mich aus. Auch das Ende verläuft nicht so, wie man es sich vielleicht erhofft. Doch Cora Stephan blieb bis zum Schluss realistisch – so, wie es nun mal im echten Leben ist.

Cora, Stephan: Ab heute heiße ich Margo. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2016. 640 Seiten. 21,99 Euro.

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