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Der Pfau – Isabel Bogdan

Isabel-Bogdan-Der-Pfau-Rezension
„Liz hatte Vögel noch nie leiden können. Sie ekelte sich vor Vögeln, Vögel stanken und flatterten und brachten Ungeziefer mit, und überhaupt waren sie irgendwie unberechenbar und dumm. Dummheit konnte sie auch nicht leiden. Dummheit und Vögel.“

„Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt.“ Man ahnt es schon vom ersten Satz an: Britischer Humor wird aus jeder Seite von Isabel Bogdans Debütroman Der Pfau triefen. Und eigentlich verstehe ich britischen Humor meistens nicht. Über Mr. Beans Abenteuer konnte ich noch nie wirklich lachen, dabei würde ich mich durchaus als humorvoll bezeichnen.

Nichtsdestotrotz musste ich gleich mehrmals während der Lektüre von Der Pfau lachen. Der Roman führt in den tiefsten Winter in den tiefsten schottischen Highlands fernab jeglicher Zivilisation. Mittendrin ist ein Pfau, der sich auf jeden blauen Gegenstand stürzt und ihn attackiert, egal ob Mülltüte, Papierfetzen oder Autos. Lord und Lady McIntosh, die Eigentümer des Anwesens, sind nicht wenig verwirrt über dieses Verhalten, hoffen aber das Beste für die nächsten Gäste: Fünf Banker, eine Psychologin und Köchin und ein Irish Setter reisen aus London an, um über ein Wochenende neue Teambuildingsmaßnahmen zu unternehmen.

Bogdan ist vor allem durch ihre Arbeit als Übersetzerin in der Literaturszene bekannt. Sie hat Autoren wie Nick Hornby, Jonathan Safran Foer ins Deutsche übertragen, kürzlich ist den Roman Ein untadeliger Mann von Jane Gardams. Des Weiteren schrieb sie vor einigen Jahren das eigene Buch Sachen machen.

Die Gäste in Der Pfau sind zunächst nicht gerade von ihrer Unterkunft und überhaupt der ganzen Selbstfindungsidee begeistert. Es ist eisig kalt, die Räume sind wenig oder nur schlecht beheizt. Hinzu kommt die Psychologin, die alle Banker, allen voran die Chefin Liz, für verrückt erklären, da sie sie als Teil zur Teambuildingsmaßnahme Schiffchen malen und Hütten bauen lässt. Liz würde am liebsten sofort wieder nach Hause fahren, zumal sie gleich von einer Gans bei ihrer Ankunft böse begrüßt wurde.

Glücklicherweise bekommt die Chefin nicht mit, wie sich der Pfau an ihrem – wie kann es anders sein – metallicblauen Sportwagen vergeht. Der Lord und die Lady denken nicht daran, „die blöde Ziege“ über dieses Missgeschick aufzuklären und haben eine eigene Lösung parat: Samt Gewehr und Pfau geht der Lord in den Wald, um dem armen Tier ein Ende zu bereiten. Da der Irish Setter Mervyn der Chefin ein braver und aufgeweckter Hund ist, versäumt dieser es nicht, den toten Vogel seiner Chefin zu bringen – und löst damit ein Versteckspiel unter Erwachsenen aus. Der tote Pfau muss weg, keinesfalls dürfen der Lord und die Lady erfahren, dass Mervyn ein Tier auf ihrem Grundstück gerissen hat. Die Mitarbeiter müssen sich um dieses Missgeschick kümmern. Doch die Köchin schaltet sich ein, und hat nun wieder eine ganz andere Idee.

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„Mit einem rasenden Pfau möchte man sich nicht anlegen, und dieser hier war ganz offensichtlich ziemlich wütend.“ (Foto von Gabriele Schmadel /pixelio.de)

Isabel Bogdan schafft in Der Pfau herrliche Situationskomik mit ihren Figuren, die eigentlich zu einem Team werden wollen, jeder aber jedem etwas verschweigt. Der Humor ist subtil und ergibt sich erst in skurrilen Situationen. Weiterhin ist der Roman durchgehend in indirekter Rede geschrieben. Ungeübte Leser mag dies vielleicht ein wenig nerven, dennoch ist gerade diese gewählte Sprache die richtige. Nur so kann Bogdan zeigen, wie wenig die Figuren miteinander kommunizieren, Gedanken für sich behalten, weil sie sich für die Schlausten halten und alle anderen hintergehen, weil diese doch Idioten sind. Jeder hat etwas gesehen oder gehört, doch niemand teilt sich dem anderen mit. So verstrickt sich die Situation immer mehr und mehr.

Zusätzlich wird mithilfe der indirekten Rede der bissige Humor verschärft. Alle miteinander sind Dummköpfe, die sich im Kreise drehen und sich bis zum Romanende immer weiter weg von einer Auflösung bewegen. Nur der Leser weiß Bescheid, denn ein auktorialer Erzähler schaut in alle Köpfe, sogar in die der Tiere. Doch auch damit langweilt Bogdan nicht und webt eine Wende ein. Nachdem die Gans auch noch verschwunden ist, gibt der Hund Mervyn nichts mehr von seinem Wissen preis, obwohl er eine interessante Entdeckung gemacht hat.

Isabel Bogdans Der Pfau ist voller Witz und unterhält von der ersten Seite an. Die Schlussszene passt perfekt zum britischen Humor und rundet den Roman gekonnt ab – eine perfekte Komödie, mit wunderschönem Einband noch dazu.

Siehe auch: Die Buchbloggerin

Isabel Bogdan: Der Pfau. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2016. 256 Seiten. 18,99 Euro.

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