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Eins – Sarah Crossan

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„Und doch kann ich mir hundert Dinge vorstellen, die schlimmer sind, als Seite an Seite mit Tippi zu leben, als in diesem Körper zu wohnen und diejenige zu sein, die ich schon immer war.“

Tippi und Grace teilen sich ihr gesamtes Leben. Jeden Tag verbringen die beiden Schwester miteinander, niemals sieht man sie getrennt. Tippi und Grace sind siamesische Zwillinge. Doch nicht nur körperlich sind sie miteinander verbunden: Sie sind die beste Freundinnen, wollen sich ein getrenntes Leben gar nicht vorstellen, was für Außenstehende unbegreifbar ist. Entweder werden sie mit mitleidigen Blicken gemustert oder mit spöttischem Gelächter beleidigt. Gerade in Zeiten von Handys mit Kameras ist es schwer, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Jahrelang versteckten die Eltern Tippi und Grace. Nun sollen die Mädchen aber aus finanziellen Gründen auf die Schule gehen. Das Geld wird immer knapper, der Vater verliert seinen Job. In einzelnen Episoden aus der Sicht von Grace erfährt der Leser von verschiedenen Situationen der Zwillinge im alltäglichen Leben. Die Kapitel sind aufgebaut wie lyrische Texte und stellen so das Auf und Ab in Tippis und Graces Leben dar. Beim Lesen wird man immer wieder zu kurzen Pausen gezwungen, die jedoch genug Zeit geben, um über Gelesenes noch einmal zu reflektieren. Inhaltlich wird nichts zu sehr ausgebreitet, nur kurz wird Graces Gedankenwelt preisgegeben. Die kurzen Szenen regen zum Nachdenken an, weiterer Tiefgang ist nicht nötig.

Mitreißend erläutert Sarah Crossan in dem Jugendroman Eins das Schicksal der Zwillinge. Grace und Tippi sehnen sich gar nicht nach einem getrennten Leben. Sie möchten akzeptiert werden, wie sie sind, als Individuen wahrgenommen werden, ein ganz normales Leben führen, ohne ständig auf ihre Umstände hingewiesen zu werden. Dazu zählen auch erste banale Erfahrungen mit Alkohol und Zigaretten, Freundschaft und Liebe. Sie sehen sich nicht als eine Tragödie, sondern als ganz normale Teenager.

Darauf weist schon das außergewöhnliche Buchcover hin: Zwei Köpfe, die in unterschiedliche Richtungen schauen, hinterlegt mit zwei verschiedenen Farben, Rot und Blau. Die Wahl der Farben spiegelt die Persönlichkeiten der Mädchen wider. Tippi eher vorlaut und ab und an mal egoistisch. Grace ist der ruhigere Typ von beiden. Der Einband kann abgenommen werden, was die Köpfe voneinander trennt. Man kann also quasi als Leser entscheiden, ob man Tippi und Grace akzeptieren möchte, wie sie sind oder nicht.

Sarah Crossan: Eins. Aus dem Englischen von Cordula Setsman. mixtvision, München 2016. 424 Seiten. 16,90 Euro.

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4 Kommentare zu „Eins – Sarah Crossan

  1. Das habe ich mir im Original auf den Reader geladen. Ich mochte Sarah Crossans „Die Sprache des Wassers“ sooo gerne. Kann dir das Buch nur wärmstens empfehlen!!

    Liebe Grüße
    Nanni

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  2. Deine Rezension hat mir gut gefallen. Auf dieses Buch bin ich letztens schon gestoßen, jedoch habe ich es mir damals nicht näher angeguckt. Jetzt werde ich es mir bei meinem nächsten Besuch in der Buchhandlung mal ansehen.

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